Marlène Wenger und Stefan Schilli, die neuen Betreuer ab Mitte März 2009

 

Karibu sana!

rufen uns die Leute hier in Tansania überall zu und heissen uns damit in Swahili herzlich willkommen. Noch sind wir, die Nachfolger von Fränzi und Pius Korner, in Afrika unterwegs, aber ab Mitte März werden wir Euch dasselbe aus dem Naturlehrgebiet Buchwald zurufen: Karibu sana!

Wir, das sind...

Marlène Wenger, mit Bündner Akzent, Primarlehrerin und Umweltingenieurin
(Vertiefung Umweltbildung)

Stefan Schilli, vom Jura Südfuss, gelernter Elektroniker und Umweltingenieur (Vertiefung Naturmanagement)

Da wir beide gerne Velo fahren, freuten wir uns kurz vor Weihnachten nicht nur über die Zusage für die neue Aufgabe in Ettiswil, sondern auch auf unsere Velotour durch Kenia/Tansania.

Wir starteten im luftigen Nairobi, wo wir zwar auf die Gortexjacke, nicht aber den Faserpelz verzichten können, liegt die Stadt doch auf 1300 m ü. M. Von hier aus führt uns der Weg auf Nebenstrassen ostwärts durch hügeliges, fruchtbares Land, das weiter südlich in eine trockene Buschsavanne übergeht.

Von den Fahrrädern aus entdecken wir immer wieder Tiere: Eisvögel hocken auf den Telefondrähten, Nashornvögel fliegen vorüber und durch den Feldstecher erspähen wir Strausse, Zebras, Gazellen und Giraffen. Im Amboseli National Park ist uns das Radeln untersagt, aber auf einer morgendlichen Safari sind wir in der Gegenwart der Elefanten und Löwen nicht unglücklich über das bisschen mehr Blech, aus dem der Landrover im Vergleich zu unsern Velos besteht...

Zurück auf der Strasse bzw. Staubpiste fahren wir am Fuss des Kilimanjaros entlang über die Grenze nach Tansania. Hier gibt es durch die Nähe zum fast 6000 m hohen ‚Dach Afrikas‘, genügend Niederschläge für den Anbau von Bananen, Ananas und Papaya. Die Früchte werden überall an einfachen Ständen zum Verkauf angeboten, so dass wir genüsslich unsern Vitaminbedarf decken können. Und wärs nicht bereits etwas heisser als in Nairobi, würden wir bestimmt auch eine Tasse einheimischen kahawa (Kaffee) probieren.

Übrigens fallen wir hier mit unseren beladenen Tourenrädern nicht besonders auf, denn die Tansanier transportieren alles nur Erdenkliche auf ihren chinesischen Velos: Wasserkanister, riesige Bananenbüschel, aufgetürmte Harassen, selbst Hühner, Zuckerrohr und stapelweise Brennholz. Die Frauen brauchen zum Einkaufen nicht etwa Auto und Einkaufswägeli, sondern schlichtweg ihre Füsse und den Kopf, auf dem sie in Kübeln elegant jegliche Nahrungsmittel balancieren. Die Kinder reiten in Tragtüchern auf dem Rücken mit.

Über die Städte Moshi und Arusha radeln wir dem Great Rift Valley entlang weiter nach Süden. In Magugu verbringen wir zwei Tage auf der Farm von Marcel, einem Schweizer, der Mais, Bananen und Gerbera anbaut. Wir könnten tagelang auf seinem Land herum wandern:

Es ist nicht nur ein Schmetterlingsparadies, sondern beherbergt auch verschiedenste Vogelarten (zum Beispiel das Rotwangige Cordonbleu, heisst wirklich so!), Libellen, Heuschrecken oder eine rosafarbene Blüte, die sich bei genauerem Hinschauen als perfekt getarnte Gottesanbeterin entpuppt. Sie kann es schon fast mit dem Meister der Tarnung aufnehmen, der uns am nächsten Tag auf der Strasse begegnet und sich als Kühlerfigur von Marlènes Velo in Szene setzt.

 

Immer wieder staunen wir auch über die pflanzlichen Gesellen, die schweigend am Wegrand stehen, wie den Leberwurstbaum, meterhohe Kakteen und den urtümlichen Baobab. Letzterer, auch Affenbrotbaum genannt, kann über 2000 Jahre alt werden und zählt damit zu den am längsten lebenden Bäumen. Die Legende erzählt, dass Gott ihn zuerst wie jeden andern Baum gepflanzt hatte. Der Baobab war damit aber nicht zufrieden und beschwerte sich, da er der grösste und schönste aller Bäume sein wollte. Zur Strafe für seine Nörglerei riss Gott ihn aus der Erde und steckte ihn mit den Ästen voran wieder hinein. Gott sei Dank, denn die hohlen Stämme bilden wichtige Wasserresevoirs sowie Nischen für Fledermäuse und in den Ästen sammeln sich Wildbienen!

Unterwegs stoppen wir meist in einfachen Restaurants, die es hier selbst in den kleinsten Dörfern gibt. Morgens gibt es chai und chappati (Tee und öliges Fladenbrot), mittags wali na kuku (Reis mit Huhn) und abends chipsi mayay (eine Art Pommes frites-Omelette). Die Guest Houses werden aber immer seltener und so fragen wir Bauern für ein Zeltplätzchen. Freundlich werden wir aufgenommen, und es vergehen keine fünf Minuten, da sind wir bereits vom halben Dorf umringt…

Inzwischen sind wir in Morogoro angekommen, wo wir für einen Monat auf der Mbuyuni Farm von Kim und Simone Axmann arbeiten. Hier wird Chili, Zitronengras, Paprika und Hibiskus nach biologischen Richtlinien angebaut und nach Deutschland und in die Schweiz exportiert. Wir machen eine Art Ferienvertretung, während der wir die laufenden Projekte vorantreiben und schauen, dass der Betrieb so rund weiter läuft wie bisher. Dasselbe möchten wir auch in Ettiswil erreichen, wo es unser Ziel ist, die gute Betreuung des Naturlehrgebietes von Fränzi und Pius fortzusetzen.