Moose im Naturlehrgebiet Buchwald in Ettiswil

 

Helen Küchler-Hafner, Biologin

Einsiedeln, im Januar 2004

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

1. Einleitung

 

2. Bau und Lebensweise der Moose

2.1. Laubmoose

2.2. Lebermoose

 

3. Methode

 

4. Resultate

4.1. Häufigkeit der Moose

4.2. Gruppierungen von Moosen

4.2.1. Analyse über die Zugehörigkeit zu einem Substrat

4.2.2. Clusteranalyse

4.3. Typische Moose auf verschiedenen Substraten

4.3.1. Polstermoose auf Gestein

4.3.2. Epiphytische Moose

4.3.3. Moose auf Totholz

4.3.4. Moose auf Erde

4.3.5. Moose im Hochmoor

4.4. Zeigerwerte

4.4.1. Vorkommen ausgewählter Moosarten in Abhängigkeit von Licht

4.4.2. Vorkommen ausgewählter Moosarten in Abhängigkeit von Feuchte und

          Nährstoffangebot

 

5. Diskussion

 

6. Dank

 

7. Literatur, Bildnachweis

 

8. Anhang

 

 

 

1. Einleitung

Das Naturlehrgebiet Buchwald Ettiswil war schon mehrfach Gegenstand spezieller naturkundlicher Untersuchungen. Diese Arbeit befasst sich mit einer weiteren Gruppe von Organismen: den Moosen.

Wie bei den höheren Pflanzen gibt es auch bei den Moosen einen grossen Artenreichtum. Was auf den ersten Blick gleichartige Moospolster und Moosdecken sind, erweist sich bei genauerem Hinsehen als eine vielfältige Pflanzengruppe.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Moosflora im Naturlehrgebiet zu gewinnen und auf die Schönheit dieser Pflanzen aufmerksam zu machen.

 

2. Bau und Lebensweise der Moose

Moose gehören zum Reich der Pflanzen. Sie besitzen Chlorophyll (Blattgrün), haben aber im Gegensatz zu den Blütenpflanzen keine Blüten. Innerhalb der Moose lassen sich zwei grössere Klassen unterscheiden: die Lebermoose und die Laubmoose.

 

2.1. Laubmoose

An einem Laubmoos können wir drei Hauptbestandteile unterscheiden: das Stämmchen (mit daran meist spiralig oder in Reihen angeordneten Blättchen), den Kapselstiel und die Kapsel. Die Kapsel besitzt meist einen Deckel. Sie entwickelt sich langsam, bleibt lange erhalten und ist deshalb häufig zu beobachten.

Bei Atrichum undulatum (Welliges Katharinenmoos Abb. 1) wächst der Kapselstiel aus der Spitze des Stämmchens heraus. Diese Wuchsform bezeichnet man als akrokarp (gipfelfrüchtig).

Bei Eurhynchium striatum (Gemeines Schnabelmoos Abb. 2) wächst der Kapselstiel aus Kurztrieben, die seitlich dem meist am Boden aufliegenden Stämmchen entspringen. Dies nennt man pleurokarp (seitenfrüchtig).

 

Abb. 1: ein gipfelfrüchtiges Laubmoos (Atrichum undulatum)

 

 

Abb. 2: ein seitenfrüchtiges Laubmoos (Eurhynchium striatum)

 

 

 

2.2. Lebermoose

Die Lebermoose erhielten ihren Namen, weil eine ihrer häufigsten Arten, das Brunnenlebermoos (Marchantia polymorpha) früher als Arznei bei Lebererkrankungen verwendet wurde.

Die Kapsel der Lebermoose entwickelt sich schnell, verrottet auch schnell und ist deshalb seltener zu beobachten.

Innerhalb der Lebermoose unterscheiden wir thallöse und beblätterte Lebermoose. Bei den thallösen Lebermoosen ist das Moospflänzchen nicht in Stängel und Blätter gegliedert, sondern das Pflänzchen ist bandförmig (z. B. Metzgeria furcata - Gewöhnliches Gabel-Lebermoos Abb. 3) oder lappenförmig.

 

 

Abb.3: ein thallöses Lebermoos (Metzgeria furcata)

 

 

Bei den beblätterten Lebermoosen (z.B. Lophocolea bidentata – Zweizähniges Ruch-Lebermoos Abb. 4) ist eine Gliederung in Stängel und Blätter vorhanden. Die Blätter sind meist zweizeilig angeordnet und mehr oder weniger flach. Sie haben nie eine Mittelrippe, im Gegensatz zu den Laubmoosblättern, die meist eine solche besitzen.

 

Abb. 4: ein beblättertes Lebermoos (Lophocolea bidentata)

 

 

3. Methode

Das Untersuchungsgebiet wurde an drei Tagen systematisch durchstreift. An über 50 typischen Standorten wurden Vegetationsaufnahmen gemacht. Dabei wurde jeweils eine Liste der häufigsten Gefässpflanzen (Blütenpflanzen und Farnpflanzen) und eine möglichst vollständige Liste der Moose erstellt. Nebst dem Standort im Gelände wurde auch das Substrat (z. B. Erde) notiert.

Insgesamt wurden 230 Belege gesammelt und herbarisiert. Die Bestimmungsarbeit erfolgte zu Hause mit Lupe und Mikroskop.

 

4. Resultate

4.1. Häufigkeit der Moose

Insgesamt fanden wir im Naturlehrgebiet Ettiswil 10 Lebermoos- und 74 Laubmoosarten (Tab. 1). Ein Dutzend Arten wurde mindestens fünfmal gefunden, 38 Arten nur einmal. Die drei häufigsten Arten waren Calliergonella cuspidata (Spiessmoos Abb. 5), Hypnum cupressiforme (Zypressen-Schlafmoos Abb. 6), Brachythecium rutabulum (Krücken-Kegelmoos Abb. 7). Diese Arten gehören im Mittelland zu den häufigsten Moosarten.

 

Calliergonella cuspidata (Spiessmoos Abb. 5)

Kommt im Gebiet vor allem auf feuchten Wiesen, an Teichrändern aber auch auf Steinen vor. An seinen stechenden hellen Triebspitzen ist es schon im Feld gut kenntlich.

 

 

Abb. 5: ein  häufiges Moos (Calliergonella cuspidata)

 

Hypnum cupressiforme (Zypressen-Schlafmoos Abb. 6)

Gedeiht an Bäumen in grossen Überzügen. Wächst auch auf Totholz, Erde und Stein. Die Überzüge sehen von oben regelmässig „gezöpfelt“ aus.

 

 

Abb. 6: ein häufiges Moos (Hypnum cupressiforme)

 

 

Brachythecium rutabulum (Krücken-Kegelmoos Abb. 7)

Ist eines der häufigsten Moose im Gebiet. Die Brachythecium-Arten sind im Feld nicht leicht unterscheidbar.

 

 

Abb. 7: ein häufiges Moos (Brachythecium rutabulum)

 

 

Tab. 1: Liste der im Gebiet beobachteten Moose

 

Lebermoose

Funde    wissenschaftlicher Name

   1          Cephalozia connivens (Dicks.) Lindb.

   3          Frullania dilatata (L.) Dum.

   4          Lophocolea bidentata (L.) Dum.

   2          Lophocolea heterophylla (Schrad.) Dum.

   2          Metzgeria furcata (L.) Dum.

   1          Pellia endiviifolia (Dicks.) Dum.

   1          Pellia epiphylla (L.) Corda

   2          Porella platyphylla (L.) Pfeiff.

   7          Radula complanata (L.) Dum.

   1          Riccia fluitans L.

 

Laubmoose

Funde    wissenschaftlicher Name

   4          Amblystegium serpens (Hedw.) Schimp.

   1          Amblystegium subtile (Hedw.) Schimp.

   2          Anomodon attenuatus (Hedw.) Hüb.

   4          Anomodon viticulosus (H.) Hook. & Tayl.

   3          Atrichum undulatum (Hedw.) P. Beauv.

   2          Aulacomnium palustre (Hedw.) Schwaegr.

   1          Barbula reflexa (Brid.) Brid.

   1          Barbula rigidula (Hedw.) Mitt.

   1          Barbula unguiculata Hedw.

   2          Brachythecium glareosum (Spr.) Schimp.

   1          Brachythecium populeum (Hedw.)Schimp.

 10          Brachythecium rutabulum (Hedw.) Schimp.

   2          Brachythecium salebrosum Schimp.

   7          Brachythecium spec.

   4          Bryum capillare aggr.

   2          Bryum subelegans Kindb.

   1          Calliergon stramineum (Brid.) Kindb.

 17          Calliergonella cuspidata (Hedw.) Loeske

   7          Campylium stellatum (H.) Lange & Jens.

   5          Cirriphyllum piliferum (Hedw.) Grout

   1          Climacium dendroides (H.) Web. & Mohr

   1          Ctenidium molluscum (Hedw.) Mitt.

   2          Dicranella heteromalla (Hedw.) Schimp.

   1          Dicranum bonjeanii De Not.

   1          Dicranum scoparium Hedw.

   3          Drepanocladus aduncus (Hedw.) Warnst.

   1          Encalypta streptocarpa Hedw.

   1          Entodon concinnus (De Not.) Par.

   2          Eurhynchium praelongum (Hedw.) Schimp.

   3          Eurhynchium striatum (Hedw.) Schimp.

   2          Eurhynchium swartzii (Turn.) Curn.

   1          Fissidens crassipes B., S. & G.

   3          Fissidens taxifolius Hedw.

   1          Grimmia pulvinata (Hedw.) Sm.

   1          Herzogiella seligeri (Brid.) Iwats.

   2          Homalia trichomanoides (Hedw.) Schimp.

   4          Hylocomium splendens (Hedw.) Schimp.

 15          Hypnum cupressiforme Hedw.

   2          Isothecium alopecuroides (Dubois) Isov.

   6          Leucodon sciuroides (Hedw.) Schwaegr.

   2          Mnium marginatum (Dicks.) P. Beauv.

   1          Neckera crispa Hedw.

   2          Orthotrichum affine Brid.

   2          Orthotrichum anomalum Hedw.

   1          Orthotrichum lyellii Hook. & Tayl.

   2          Orthotrichum spec.

   1          Philonotis calcarea (B. & S.) Schimp.

   1          Plagiomnium elatum (B. & S.) T. Kop.

   1          Plagiomnium rostratum (Schrad.) T. Kop.

   1          Plagiomnium spec.

   5          Plagiomnium undulatum (Hedw.) T. Kop.

   2          Plagiothecium neglectum Mönk.

   2          Plagiothecium roeseanum aggr.

   4          Polytrichum formosum Hedw.

   1          Polytrichum strictum Brid.

   1          Pseudoleskeella nervosa (Brid.) Nyh.

   1          Pylaisia polyantha (Hedw.) Schimp.

   1          Rhizomnium punctatum (Hedw.) T. Kop.

   3          Rhynchostegium murale (Hedw.) Schimp.

   7          Rhytidiadelphus squarrosus (H.) Warnst.

   6          Rhytidiadelphus triquetrus (Hedw.) Warnst.

   5          Schistidium apocarpum (Hedw.) B., S. & G.

   5          Scleropodium purum (Hedw.) Limpr.

   1          Sphagnum capillifolium (Ehrh.) Hedw.

   1          Sphagnum contortum K. F. Schultz

   2          Sphagnum magellanicum Brid.

   1          Sphagnum palustre L.

   1          Sphagnum squarrosum Crome

   1          Sphagnum subnitens Russ. & Warnst.

   1          Sphagnum subsecundum Nees

   1          Tetraphis pellucida Hedw.

   1          Thuidium delicatulum (Hedw.) Mitt.

   1          Thuidium philibertii Limpr.

   4          Thuidium tamariscinum (Hedw.) Schimp.

   2          Tortella tortuosa (Hedw.) Limpr.

   3          Tortula muralis Hedw.

   1          Zygodon viridissimus subsp. rupestris

 

 

4.2. Gruppierungen von Moosen

4.2.1. Analyse über die Zugehörigkeit zu einem Substrat

Über die Anzahl der Vorkommen rsp. der Nicht-Vorkommen pro Substrat wurden Zugehörigkeitswerte berechnet. Eine Tabelle der Zugehörigkeitswerte von jeder Moosart zu jedem Substrat ist in der Originalarbeit enthalten.

 

4.2.2. Clusteranalyse

Mit einer Clusteranalyse können Gruppierungen erkannt werden, auch ohne Angaben über Standorte etc. zu berücksichtigen. Moose, die in denselben Vegetationsaufnahmen vorkommen, werden als zusammengehörig eingestuft. Je häufiger sie zusammen anzutreffen sind, umso enger ist ihre Zusammengehörigkeit.

Die Skala in Tab. 3 gibt den Grad der Zusammengehörigkeit an. Aulacomnium palustre und Sphagnum magellanicum haben einen Zusammengehörigkeitswert von 1, d. h. sie kommen in unseren Aufnahmen immer gemeinsam vor. In einem Drittel der Aufnahmen kommt Lophocolea heterophylla mit den beiden Arten Aulacomnium palustre und Sphagnum magellanicum gemeinsam vor (Zusammengehörigkeitswert 0.3).

In die Analyse wurden nur diejenigen Arten aufgenommen, die mindestens zweimal gefunden wurden. In diesem Datensatz scheinen 5 Gruppen sinnvoll. Der rote senkrechte Balken teilt die Moose in 5 Gruppen ein. Diese 5 Gruppen stimmen mit den Substratangaben gut überein.

 

 

Tab. 3: Clusteranalyse der Moose aufgrund der gemeinsamen Vorkommen in den Aufnahmen (nur Arten, die mindestens 2 mal gefunden wurden).

 

 

 

Gruppe 2 in Tabelle 3 besteht fast ausschliesslich aus epiphytischen Moosarten.

Gruppe 5 besteht mehrheitlich aus gesteinsbewohnenden Arten.

Drepanocladus aduncus bildet in dieser Analyse eine eigene Gruppe (4). Es wurde im Gebiet an einem Teichrand, einem Graben und im Röhricht gefunden. Es wuchs zwar immer mit Calliergonella cuspidata zusammen, welches ein typischer Begleiter von Drepanocladus aduncus ist. Aus Tabelle 3 ist dies jedoch nicht ersichtlich, da Calliergonella cuspidata häufiger in Gruppe 3 anzutreffen ist.

Gruppe 3 enthält Moose, die feuchte, erdige Standorte bevorzugen.

In Gruppe 1 sind Moosarten, die trockenere Erdstandorte besiedeln.

 

 

4.3. Typische Moose auf verschiedenen Substraten

Im Folgenden werden für jedes Substrat (Gestein, lebende Bäume, Totholz, Erde und Hochmoortorf) eine oder zwei Moosarten genauer beschrieben.

 

4.3.1. Polstermoose auf Gestein

Sie sind trockenresistent und besiedeln oft als erste Lebewesen Mauern und Steine.

Schistidium apocarpum (Gemeines Spaltmoos Abb.8) haben wir im Gebiet ausschliesslich auf Stein gefunden. Seine Kapseln sind in das schwärzlichgrüne Polster eingesenkt.

 

 

Abb. 8: ein Gesteinsmoos (Schistidium apocarpum)

 

 

Auch Tortula muralis (Mauer-Schraubenmoos Abb. 9) besiedelt Gesteinsunterlagen. Seine schraubig gewundenen Peristomzähne (zahnartiger Kranz an der entdeckelten Kapsel) sind mit der Lupe gut zu sehen.

 

Abb. 9: ein Gesteinsmoos (Tortula muralis)

 

 

 

4.3.2. Epiphytische Moose

Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen, nennt man Epiphyten. Epiphytische Moose bevorzugen Laubbäume, da ihre Borke basenreicher ist als bei Nadelhölzern.

Radula complanata (Kratzlebermoos Abb. 10) wurde an mehreren Arten von Laubbäumen (Buche, Erle, Birke, Esche, Eiche) gefunden. Diese Art bildet flache gelbgrüne Überzüge.

 

 

Abb. 10: ein epiphytisches Lebermoos (Radula complanata)

 

 

Leucodon sciuroides (Eichhornschwänzchen Abb. 11 und 12): Wächst an der Basis von Laubbäumen (Eiche, Weide, Esche, Birke). Wenn das Moos ausgetrocknet ist, sind seine Äste bogig nach oben gerichtet und die Blätter dachziegelartig anliegend. Feucht sind die Blätter abstehend.

 

 

Abb. 11: Leucodon sciuroides (trocken)

 

 

Abb. 12: Leucodon sciuroides (feucht)

 

 

4.3.3. Moose auf Totholz

Tetraphis pellucida (Georgsmoos Abb. 13): Das 1-3 cm hohe Moos wächst auf Totholz. Im Gebiet haben wir es nur einmal gefunden. Meist sind nebst Kapseln auch körbchenartige Brutbecher vorhanden. (Brutbecher sind korbartige Auswüchse, in denen Brutkörper gebildet werden. Sie dienen der vegetativen Fortpflanzung.)

 

 

Abb. 13: ein Moos auf Totholz (Tetraphis pellucida)

 

 

4.3.4. Moose auf Erde

Rhytidiadelphus squarrosus (Sparriges Kranzmoos Abb. 14): Wächst auf feuchter Erde in ausgedehnten Rasen. Die Blätter sind sparrig abstehend. An der Spitze sind die Blätter daher sternförmig angeordnet.

 

 

Abb. 14: ein Erdmoos (Rhytidiadelphus squarrosus)

 

 

 

 

4.3.5. Moose im Hochmoor

In den beiden angelegten Hochmoor-Biotopen wachsen viele Spezialisten, die mit den sauren und mageren Verhältnissen zurecht kommen (z. B. Torfmoose).

Torfmoose sind ausgezeichnete Wasserspeicher. So können sie je nach Art das 20- bis 40- fache ihres Gewichtes  an Wasser speichern. Insgesamt haben wir 6 Torfmoos-Arten (Sphagnum) gefunden.

Sphagnum magellanicum (Mittleres Torfmoos Abb. 15): Wächst in beiden Hochmoor-Biotopen des Gebietes. An seiner roten Farbe und den für Torfmoose dicken Ästchen ist es im Freien schon gut kenntlich.

 

 

Abb. 15: ein Torfmoos (Sphagnum magellanicum)

 

 

Nebst den Sphagnum-Arten wurden noch weitere 9 Moosarten ausschliesslich im Hochmoor gefunden.

Polytrichum strictum (Steifes Widertonmoos Abb. 16): Die dichthaarige, filzige Haube ist typisch für die Gattung Polytrichum.

 

 

Abb. 16: in Hochmooren beheimatetes Moos (Polytrichum strictum)

 

 

4.4. Zeigerwerte

Landolt (1977) hat den Gefässpflanzen der Schweiz Zeigerwerte für Licht, Feuchtigkeit, Nährstoffe, Bodenreaktion, Temperatur, Kontinentalität, Humus und Dispersität zugeordnet. Die Skala dieser Zeigerwerte reicht von 1 bis 5. Anhand der mittleren Zeigerwerte von Vegetationsaufnahmen können die ökologischen Ansprüche der vorkommenden Moose dargestellt werden.

 

4.4.1. Vorkommen ausgewählter Moosarten in Abhängigkeit von Licht

Die Box-Plots in Abb. 17 stellen dar, in welchem Bereich der Lichtzahl einige ausgewählte Moosarten im Gebiet anzutreffen sind.

Polytrichum formosum kommt im Naturlehrgebiet bei Lichtzahlen um 2.5 vor. Es ist an schattigen Stellen anzutreffen.

Anomodon viticulosus ist bei leicht höheren Lichtzahlen anzutreffen, kommt also an helleren Orten vor, würde aber an vollsonnigen Standorten zugrunde gehen.

Sphagnum magellanicum gedeiht bei Lichtzahlen um 3.5. Als Hochmoorbesiedler ist es am Licht zu finden.

 

Abb. 17: Vorkommen ausgewählter Moose in Abhängigkeit der Lichtzahl

 

 

4.4.2. Vorkommen ausgewählter Moosarten in Abhängigkeit von Feuchte und Nährstoffangebot

Abb. 18 zeigt das Ökogramm von 4 Moosarten für Feuchtezahl und Nährstoffzahl. Die Grösse der Ellipsen wurde so gewählt, dass sie etwa die Hälfte der Aufnahmen enthalten, in denen die untersuchte Art vorkommt.

Die dargestellten Arten sind ökologisch klar voneinander trennbar. Sphagnum magellanicum (D) kommt an feuchten, nährstoffarmen Standorten vor. Radula complanata (C) kommt an trockeneren, nährstoffarmen Standorten vor. Calliergonella cuspidata (B) und Hypnum cupressiforme (A) besiedeln eher nährstoffreichere Standorte.

 

 

Abb. 18: Oekogramm ausgewählter Moose.

Die Kleinbuchstaben bezeichnen einzelne Aufnahmen,

in denen die entsprechende Art vorkommt.

Die Grossbuchstaben markieren die Mittelwerte.

A, a     Hypnum cupressiforme

B, b     Calliergonella cuspidata

C, c     Radula complanata

D, d     Sphagnum magellanicum

.

 

 

5. Diskussion

Im Naturlehrgebiet Buchwald wurden 84 Moosarten gefunden. Eine Erklärung für die erfreulich hohe Zahl sind die vielfältigen Lebensräume. Es gibt lichtoffene bis schattige und trockene bis feuchte Standorte. Wir finden die verschiedensten Substrate (Gestein, Erde, lebende Bäume, Totholz). Die beiden Hochmoorbiotope tragen ebenfalls zum Artenreichtum bei.

 

 

6. Dank

Meinrad Küchler danke ich für die gemeinsame Feldarbeit und die Unterstützung bei den statistischen Auswertungen. Norbert Schnyder danke ich für die Bestimmung einiger Moosproben.

 

 

7. Literatur, Bildnachweis

Dufrêne, M. & P. Legendre. 1997: Species assemblages and indicator species: the need for a flexible asymmetrical approach. Ecol. Monogr. 67: 345-366.

Küchler, M. 2002: Software VEGEDAZ. Programm für die Erfassung und Auswertung von Vegetationsdaten. Update 2002. Beratungsstelle für Moorschutz, Eidg. Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf.

Landolt, E. 1977: Ökologische Zeigerwerte zur Schweizer Flora. Veröffentlichungen des Geobotanischen Instituts der ETH, Stiftung Rübel, Zürich, 64. Heft, 208 S.

Bertram. J (2003): Moosvegetation und Moosflora des Naturschutzgebiets Wildenstein. Mitt. Naturf. Ges. beider Basel 7 (2003).

Nebel, M. & G. Philippi (Hrsg.) (2000): Die Moose Baden-Württembergs, Bd. 1: Allgemeiner Teil, Spezieller Teil (Bryophytina I, Andreaeales bis Funariales) . Verlag E. Ulmer Stuttgart.

Nebel, M. & G. Philippi (Hrsg.) (2001): Die Moose Baden-Württembergs, Bd. 2: Spezieller Teil (Bryophytina II, Schistostegales bis Hypnobryales). Verlag E. Ulmer Stuttgart.

 

Titelbild: Meinrad Küchler, Einsiedeln.

Übrige Moosabbildungen: Bilder von Moosen: Michael Lüth.